Rennrad Tour Baldham - Freising und Zurück
... ich lerne den "Mann mit dem Hammer" kennen

Komoot Rennrad Tour Baldham Freising

Tour Länge: 100km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 31 km/h

Der Dezember 2015 ist der wärmste der Wettergeschichte, ein Segen für mich als Radfahrer. Mitte Dezember bin ich supergut drauf. Mein Gewicht ist von 86 Kilo, welche ich zur Jahresmitte auf die Waage gebracht habe, auf 80 Kilo gesunken und meine Figur ist deutlich besser geworden. Der Bauchansatz ist nahezu weg - ja, auch ein Mann kann eitel sein ... und wie!! Ich fühle mich einfach toll, als ich für mich die "Ing Tour" auswähle. Diese Tour führt mich in den Norden, über Poing, Pliening, Niederneuching, Moosinning, Erding ... na, warum wohl heißt die Tour die "ing" Tour?

Es läuft perfekt, ich fege zwischen 35 km/h und 38 km/h dahin und werde einfach nicht müde. Am oberen Scheitelpunkt meiner Tour angekommen fasse ich einen spontanen Entschluss. Ich breche meinen Streckenrekord, der bisher bei 80 Kilometer liegt und fahre nach Freising. Ein verhängnisvoller Entschluss, wie es sich später herausstellen sollte.

Also - ab nach Freising - Mann, ist die Strecke langweilig, eine öde Bundesstraße, die Autos preschen an mir vorbei und ein paar mal hupen sogar welche. Wahrscheinlich finden die mich richtig sexy, in meinem Rad-Dress - zumindest rede ich mir das ein. Bald taucht Freising auf mit der schönen Kirche. Stolz wie Oskar fahre ich vorbei, mein Tacho zeigt schon 51 Kilometer und es geht wieder zurück nach Hause. Also wieder die öde Gerade und langsam merke ich auch, dass meine Kraft nachlässt. Ich bin ja doch recht verschwenderisch damit umgegangen. Ein leichter Gegenwind und eine stetige leichte Steigung tun ein übriges, um mir den Saft aus den Knochen zu saugen.

Schnell geht die Geschwindigkeit zurück, 31-30-29-28 ... Ich begehre auf. Das geht ja gar nicht - auf der Ebene und ich habe keine 30 auf dem Tacho. Die Zähne zusammenbeißen und Kraft auf die Pedale. Mühsam und langsam klettert der Tacho wieder auf die 30 - für nicht mal eine Minute, dann fällt er wieder. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Irgendwann gebe ich auf und verabschiede mich von der 30 und akzeptiere ein gemütlicheres Vorankommen. Aber es ist zu spät.

Auf der Höhe von Markt Schwaben, gut 15 Kilometer vor meinem Ziel, fahre ich mit 24kmh dahin. Ich habe kein Gefühl mehr in meinem Gesicht. Der Puls hämmert - ich bin ein Gezeichneter. Die Qual ist, glaube ich, für jedermann sichtbar. Und schon wieder ein Berg ! Der war doch vorhin nicht da - nun weiß ich es, die Natur selbst hat sich gegen mich verschworen und ich verliere. Plötzlich bin ich auf der Bundesstraße - wie um Gottes Willen bin ich denn dahin gekommen? Bin ich hinter Markt Schwaben oder noch davor. Ich fasse ganz fest den Entschluss, wenn ich nach Markt Schwaben komme, dann bleibe ich stehen, rufe daheim an und lasse mich abholen.

Irgendwann sehe ich das Ortschild Poing vor mir. Ah - da bin ich. Alles erscheint mir fremd. Aber ich kenne die Namen. Ich weiß - Neufarn nach recht in Richtung Parsdorf und dann noch die lange Gerade nach Baldham Dorf. Wie soll ich diese endlose Gerade nur überstehen. Treten - treten - treten. Was am Tacho steht, ist mir inzwischen egal - einfach nur weitertreten. Trinken .. ja wenn ich noch die Kraft hätte, an der Flasche zu ziehen .. für einen Schluck reicht es gerade - zurück in den Halter und treten -treten - treten. Ein unscharfer Gedanke zuckt auf - ich habe nur eine halbe Flasche getrunken, bei der Tour, ist das eventuell .. .dann bricht der Gedanke ab - weitertreten.

Parsdorf ist vor mir - ein Ende der Quälerei ist abzusehen - langsam gehts in Richtung Baldham Dorf. Ich zähle die Sekunden. Inzwischen ist mir richtig schlecht. Ich will nur mehr nach Hause. Einbiegen in die Purfinger Straße - meine Lebensgeister erwachen langsam und ich bin daheim. Ein Blick auf den Tacho - 31,4 Stundenkilometer Durchschnitt - ja wie schnell bin ich den von Baldham nach Freising gefahren?

An Essen ist nicht zu denken, einfach nur ein heißes Bad und trinken und dann ab vor den Fernseher. Daheim darf ich mir ja nichts anmerken lassen, wie schlecht es mir geht. Ich sage ja immer, daß Radfahren so gesund sei. Also, Maske auf und ab vor den Fernseher. Mir geht es gut, weil es mir gut gehen muß!

Einige Stunden später geht es mir wirklich gut. Ich habe viel getrunken und ganz ganz wenig gegessen, denn heute Abend geht es zum "All-You-Can-Eat" Chinesen Aisatique in Eglharting. Inzwischen kann ich mich mit Essen schon fast wieder anfreunden. Und dann sind wir dort. Ein Teller nach dem anderen verschwindet in meinem Rachen. Nach sechs gut gefüllten Tellern habe ich das Gefühl, daß mein Bauch voll ist aber ich empfinde kein Sättigungsgefühl - sonderbar. Knapp zwei Stunden später, daheim, plündere ich den Kühlschrank.

Ah .. ich freue mich auf meine nächste Tour. Und ich weiß, wenn die Tour länger als 70km ist, dann werde ich vorher eine Banane essen und auch für unterwegs was mitnehmen und auch auf das Trinken nicht vergessen. Habe ich schon erwähnt, daß der Mensch am effektivsten durch Schmerz lernt?


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