Rennrad Tour zum Starnberger See
... eine wichtige Erkenntnis

Rennrad Tour Baldham Schäftlarn Starnberger See

Tour Länge: 107km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 30 km/h
Höhenmeter: 850 hm
Details zur Tour auf Komoot.de

Das ist die bisher längste Tour und ich muß zugeben, ich habe sehr großen Respekt vor der Strecke. Aber mein Vorhaben, Ende April von München nach Klagenfurt zu fahren steht fest und ich mache mir langsam Sorgen. Sicherlich, ich habe schon einige längere Touren gemacht aber am Ende dieser Touren war ich richtig fertig. Die Strecke von München nach Klagenfurt ist aber mehr als dreimal so lang und hat vor allem mehr als 3700 Höhenmeter. Also muß ich die Länge der Touren steigern um zu sehen, ob ich für dieses Vorhaben überhaupt fit genug bin.

Erstmals verzichte ich auf Wasser in meiner Trinkflasche und befülle diese statt dessen mit Afri Cola. Diesen Tipp habe ich auf einer Webseite aufgeschnappt und - warum nicht , ich trinke das Zeug ohnehin gerne. Am 5.2. ist es soweit - Temperaturen bis 12 Grad und traumhafter Sonnenschein sind vorhergesagt. Um 10 Uhr schwinge ich mich aufs Rad - auf gehts zum Starnberger See.

Ein leichter Gegenwind macht mir nichts aus, ich fühle mich gut und bin voll motiviert. Auf gut asphaltierten Straßen geht es durch kleine Gemeinden, wie Grasbrunn, Hohenlinden, Straßlach... Es werden Kilometer gefressen. Hinter Straßlach geht es runter zur Isar - eine sehr schöne Abfahrt, die man aber nicht zu schnell fahren sollte, weil auch viele Fußgänger unterwegs sind.

Ein erstes Highlight der Tour - der Radweg entlang der Isar - ein Traum! Ich bin alleine unterwegs, ich nehme das Tempo raus denn diese wunderschöne Landschaft möchte ich genießen. Ich fahre neben der Isar entlang und bin überrascht, wie viele Wasservögel zu sehen sind. Die Straße windet sich entlang des Flusses und abgesehen vom Wind um meine Ohren und dem Surren des Rades herrscht absolute Stille. Es ist eine friedliche Szene  und ich bin einfach glücklich, ein Teil davon zu sein. Viel zu schnell komme ich zur Abzweigung nach Schäftlarn und ich weiß - nun wird es ernst - eine schöne Bergwertung steht an.

Isarradweg Isar Radweg

Die Strecke von Schäftlarn nach Hohenschäftlarn - immerhin 140 Höhenmeter am Stück. Sicherlich ein Passfahrer wird müde drüber lächeln aber für mich sind diese 140 Höhenmeter eine Herausforderung, vor allem in dem Wissen, noch nicht mal die Hälfte der Tour geschafft zu haben. Ein paar Züge aus der Trinkflasche und rauf gehts. Ich schalte die Gänge runter und versuche, eine hohe Umdrehungszahl zu halten und - es geht gut. Mein Atem ist tief und gleichmäßig ich habe auch kurz vor Hohenschäftlarn nicht das Gefühl, mich ausgepowert zu haben. Heute ist wirklich ein guter Tag. Aber noch ist die Tour nicht zu Ende.

Die Strecke von Hohenschäftlarn zum Starnberger See führt unter der Autobahn durch. Ein Blick auf die Autobahn - Ah Bayern verteilt wieder kostenlose Parkplätze auf der Autobahn - ha - ich denke, ich habe momentan das bessere Los und bin bedeutend schneller unterwegs .. und gesünder! Und dann - es ist soweit, das tiefe Blau des Starnberger See vor dem Alpenpanorama ist zu sehen - die Hälfte der Strecke ist geschafft. Der Ausblick - ein klassisches Postkartenmotiv ist wunderschön.

Ein kurzes Stück geht es entlang der Ostuferumfahrung. Ich teile mir die Straße mit vielen Autos und ich bin froh, als ich diese Straße verlassen kann und mich in Richtung Wolfratshausen aufmachen kann. Über ein hügeliges Gelände und kleine Dörfchen gehts ab nach Wolfratshausen und ich weiß - die Hälfte der Tour ist geschafft. Ich fühle mich sehr gut.

Nach Wolfratshausen gehts erstmal hoch, zum höchsten Punkt der Tour von 574 Höhenmeter auf 710 Höhenmeter. Mein Schnitt von fast 31 km/h sinkt zusammen auf 29,1 km/h. Ich habe aber einen Trick, alle 10km belohne ich mich selbst mit einem "Schluck aus der Pulle". Das funktioniert richtig gut, ich freue mich wirklich auf die kleinen "Goodies". Und am Ende der Steigung bekomme ich sogar noch einen Extra Schluck - den habe ich auch verdient.

Und ... es ist verrückt - ich habe bereits 80km in den Beinen und ich bekomme noch immer Kraft auf die Pedale. Ha - warum nicht - Aufholjagd ist angesagt. Ich möchte meinen Schnitt wieder verbessern. Um mir es selbst zu zeigen, steige ich aus dem Sattel und trete richtig an. Ich fühle die Beschleunigung und sofort ist mein Tacho auf 30 - 31 - 32 -- 33 -- 34. Ja so macht Rennrad fahren Spaß. Die Straße geht eben dahin, ich bin in einem gleichmäßigen Rhythmus aus Kurbeln und Atmen und ich fühle mich eins mit meiner Rennmaschine. Ein Blick auf die Komoot App zeigt mir kurze Zeit später, aus 29,1 km/h sind schon 29,2 km/h geworden. Wahnsinn, wie diese Zahl hinter dem Komma einen anspornen kann. Ich lasse nicht locker - ein Schluck aus der Flasche und noch schneller kurbeln. Nun macht sich mein Rollentraining auch bezahlt, wo ich über längere Zeit versuche, mit hoher Umdrehungszahl zu pedalieren.

Ja - und wo ist die Müdigkeit, das Gefühl der Leere, der Mann mit dem Hammer ... ich denke, der hat heute frei. Also weiter gehts, ein Blick auf den Tacho ... 100 Kilometer - klasse und ich habe noch richtig Saft in den Beinen. Die letzten Kilometer von Möschenfeld nach Baldham führen mich durch eine wunderschöne Waldstraße - die fege ich mit 35km/h dahin. Ich bin hochmotiviert, denn kurz vor Möschenfeld, wenige Kilometer vor der Zielankunft habe ich meinen Schnitt wieder auf die magische 30km/h Marke anheben können. Mit einem Grinsen im Gesicht fege ich durch Baldham und kurze Zeit später habe ich Baldham Dorf vor mir. Ein paar Kurven noch - und geschafft - meine längste Tour ist Geschichte und ich fühle mich wirklich gut.

Was ist anders - mein Fazit aus der Tour

 Sicherlich regelmäßiges Training (3x pro Woche) macht sich bezahlt. Bei Schlechtwetter ist es die Rolle im Keller und motivierende Videos aber so oft wie möglich, schwinge ich mich aufs Rad. Ich finde, nichts kann echte Kilometer in der freien Natur ersetzen. Aber das alleine kann diesen extremen Effekt doch nicht ausmachen.

Ich denke, daß ich bei längeren Touren Probleme mit der Energieversorgung bekommen habe. Ein Rigel kann die Energie nicht schnell genug meinem Körper zur Verfügung stellen. Das Cola hingegen, mit der Kombination aus Zucker und Koffein hat mir immer einen kleinen Energieschub gegeben. Gerade die konstante Energiezufuhr mit 1-2 Zügen alle 10 Kilometer hat meinen Energiepegel auf einem gleichmäßigen Niveau gehalten, so daß ich die Tour gut genießen konnte und danach sogar Kraft und Lust für Gartenarbeit hatte. Am nächsten Tag hatte ich übrigens ein gutes Gefühl in den Beinen, am liebsten hätte ich mich gleich wieder aufs Rad geschwungen.

Eine weitere Erkenntnis kann ich aus dieser Tour ziehen. Ich glaube, ich habe die Kondition, noch längere Strecken zu radeln. Aber die kontinuierliche Zufuhr von Energie während dem Treten ist wichtig - wichtiger, als ich es jemals für möglich gehalten habe.


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