Rennrad Tour auf das Sudelfeld
... eine anspruchsvolle Tour mit vielen Höhenmetern

Rennrad Tour auf das Sudelfeld

Tour Länge: 151km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 29 km/h
Höhenmeter: 1630 hm
Details zur Tour auf Komoot.de

Mit etwas über 150 Kilometer ist die Rundtour auf das Sudelfeld zwar nicht ganz so lang, wie die Strecke Nr. 3 beim Rosenheimer Radmarathon, dafür bringt sie mehr Höhenmeter. Für mich war die Tour die Generalprobe für den Marathon und vor allem die Antwort auf die Frage, ob ich eine derart lange Strecke mit vielen Höhenmetern im Stück fahren kann.

Am 25. Mai in den frühen Morgenstunden geht es los. Der Himmel ist bedeckt aber immerhin, kein Regen. Die Temperatur ist noch recht frisch aber warm genug für die kurze Hose und für die Arme habe ich  ja meine Armlinge. Der erste Streckenabschnitt führt mich über bekannte Straßen in Richtung Glonn und weiter in Richtung Feldkirchen-Westerham, immer den Bergen entgegen. Im Gegensatz zu anderen Touren gehe ich jede Steigung extrem vorsichtig an. Sobald die Atemfrequenz etwas höher wird, nehme ich mich sofort zurück - nach dem Motto: "nur nicht auspowern - bewahre die Kräfte, denn ich werde sie brauchen". Also immer schön leichte Gänge und eine etwas höhere Trittfrequenz.

Der erste richtige Anstieg, auf den Irschenberg sollte mir zeigen, wie gut meine Beine heute sind, wie sehr ich mich quälen werde müssen. Bei Vagen gehts rechts ab zum mir inzwischen gut bekannten Anstieg. Im Gegensatz zur Bundesstraße, ist dieses kleine Sträßchen kaum befahren. Am Fuße des Anstieges treffe ich einen älteren Radfreund auf einem Stahl-Rennrad. Ich wünsche ihm noch alles Gute und viel Erfolg, dann gehts los. Auch hier fahre ich nach dem Motto, nur nicht zu viel Druck auf die Pedale, diesmal ist der Irschenberg nicht der Höhepunkt, sondern nur das Vorgeplänkel. Trotzdem habe ich einen guten Schnitt von 28,5 km/h am Ende des Anstieges. Kaum weniger, als bei Touren, wo ich mit Druck fahre - ein gutes Zeichen.

Und, als ob der Himmel auch noch seinen Beitrag zu meiner Motivation leisten wollte, reißt die bis dahin geschlossene Wolkendecke auf, die wärmenden Sonnenstrahlen beflügeln mich. Runter mit den Armlingen und weiter gehts, in die gar nicht mehr so fernen Berge rein.

Blick auf den Wendelstein Blick vom Irschenberg auf den Wendelstein - da muß ich hin!

Jeder Kilometer bringt mich weiter in die Berge, das merke ich nicht nur an der Veränderung der Landschaft, sondern auch am Ziehen in meinen Waden, den es geht stetig bergauf. Entlohnt für die Mühen werde ich durch wunderschöne Ausblicke auf die Berge bei nahezu wolkenlosem Himmel. Oft muß ich einfach stehenbleiben oder zumindest das Tempo rausnehmen, um diese schöne und friedliche Stimmung auf mich wirken zu lassen.

Bergblick bei Hundham Verdienter Bergblick bei Hundham

Nach etwa 65 Kilometer ist es soweit, über kaum befahrene Landstraßen nähere ich mich Bayrischzell, am Fuße des Wendelstein gelegen. Immer wieder erhasche ich Ausblicke auf das markante Profil dieses Berges und da muß ich rauf. Respekt, etwas Angst aber vor allem Freude machen sich in mir breit.

Blick auf den Wendelstein Das markante Profil des Wendelstein begleitet mich.

Einsame Landstrasse kurz vor Bayrischzell Einsame Landstraße kurz vor Bayrischzell

Und dann ist es soweit, mein Tacho zeigt recht genau 70 Kilometer und meine erste richtige Bergwertung beginnt. Mein erster Pass in dieser Saison, wie wird es laufen. Die Straße steigt gleichmäßig auf einer Länge von 5 Kilometer an. Die durchschnittliche Steigung liegt bei 8%, an der Spitze sind 10% zu bewältigen - keine unlösbare Aufgabe. Und tatsächlich, Höhenmeter um Höhenmeter schaffe ich, der Ausblick ins Tal wird immer spektakulärer und die Anstrengung hält sich wirklich in Grenzen. Sollte es so einfach sein?

Kurz vor dem Erreichen der Passhöhe sehe ich vor mir noch eine längere Gerade mit gleichmäßiger Steigung, die Luft ist schon merklich kühler, als im Tal aber ich spüre das nicht. Überrascht und auch befeuert lege ich etwas Druck auf die Pedale und mit etwa 12 km/h schaffe ich die Passhöhe. Wow das war wirklich genial! Die Passhöhe selbst ist recht unattraktiv und gesäumt von hunderten Motorradfahrern aber etwas weiter unten, in der Senke, finde ich einen schönen Platz für mein "Siegerfoto" - naja, nur mein Rad ist drauf - aber das nächste Mal mache ich einen schönes Selbstportrait.

Sudelfeld Gipfelglück

Nur wenige hundert Meter weiter, nach einer kurzen Rast, lege ich schon wieder die Bremse rein, zu schön ist der Ausblick auf die wolkenverhangenen Berge. Also raus mit der Kamera und .... klick:

Sudelfeld Wolkenidylle

Ich möchte gerne noch etwas bleiben aber ein Frösteln zeigt mir, daß ich langsam auskühle. Zudem habe ich ja noch knapp die Hälfte meiner Tour vor mir. Also nichts wie ab ins warme Tal, auf die Abfahrt freue ich mich schon. Allerdings ist diese eher schaumgebremst. Die Straße ist voller Rüttelplatten, eine Maßnahme gegen die Biker, die mit wirklich überhöhter Geschwindigkeit am schönen Sudelfeld herumbolzen. Allerdings rüttelt es mich auch ganz schön durch. Trotzdem kann ich die Strecke genießen und lege mich teilweise stark in die Kurve. Nur Fliegen ist schöner - vielleicht !!!

Abenteuerlich wird es, ab der Abzweigung in Richtung Brannenburg. Die kleine Straße führt durch ein wildromantisches Tal, vorbei an einem kleinen See und plötzlich sehe ich es vor mir - ein Warnschild 18% Gefälle und ein kleiner dunkler unbeleuchteter Tunnel - wenn da nur keiner entgegenkommt. Im Schritttempo schleiche ich durch und ich fühle die 18%, wie sie an mir ziehen, irgendwann muß ich diese Strecke wieder fahren - aber aufwärts!

Frei, nach dem Tunnel kann ich es gut laufen lassen, nur vor den Kurven kurz abbremsen. Inzwischen geht es wieder in Richtung Norden, zurück nach Baldham. Ein paar kleine Steigungen zwischen Kilometer 130 und 140 lassen meine Waden nochmal ziehen. Zu meiner Freude habe ich aber selbst in den letzten Kilometern der Tour noch genügend Energie, um diese Steigungen durchzutreten. Spontan erinnere ich mich an meine früheren Touren, wo ich nach nicht mal 100 Kilometer am Zahnfleisch heimgekrochen bin, als Gezeichneter. Kein Vergleich zu heute, meine Kondition aber auch meine Erfahrung haben sich verbessert. Inzwischen kann ich mit meinen Reserven besser umgehen und diese einteilen. Und - immerhin - ein Schnitt von 29 km/h ist, angesichts der Tourenlänge und der Höhenmeter auch nicht zu verachten.

Fazit: Die Generalprobe für den Rosenheimer Radmarathon ist geglückt, nun weiß ich, daß ich bei diesem Event nicht nur dabei sein kann, sondern daß ich es auch genießen werde - wie diese wunderschöne Tour in Bayerns Bergwelt.

Wolfi


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