Rosenheim Rundfahrt vom 26.6.2016 Tour III über 172km
... eine anspruchsvolle Tour mit vielen Höhenmetern

Rosenheim Radrundfahrt Tour 3

Tour Länge: 171km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 33 km/h
Höhenmeter: 1610 hm
Details zur Tour auf Komoot.de

Eines der großen Highlights des Rennrad-Jahres ist sicherlich die Rosenheim Radrundfahrt. Noch nie bin ich mit einer so großen Gemeinschaft unterwegs gewesen und auch von der Streckenlänge her stellt die Tour 3 mit knapp 172km Länge einen persönlichen Rekord dar. Mit entsprechend großem Respekt mache ich mich am Sonntag, den 26.6. auf nach Rosenheim.

Das Wetter hat laut Vorhersage vor allem Schauer für uns bereit und bereits auf der Autobahn durchquere ich die ersten Regenfronten. "Lass wenigstens den Start trocken sein .. " denke ich mir. Und tatsächlich, als ich gegen 7h morgens am WEKO Parkplatz ankomme, sind die Regenfälle abgeklungen und es herrscht schon reges Treiben am Gelände. Sofort stellt sich bei mir unbändige Vorfreude ein, die Menge an Gleichgesinnten, die in wenigen Minuten mit mir gemeinsam auf der Strecke sein werden mit nur einem Ziel - die Freude am Radsport auszuleben, alleine der Gedanke spornt mich an. Schnell die Startnummer abgeholt und schon wurde mir mitgeteilt, daß ich mich der aktuellen Gruppe anschließen kann, also ab zum Startplatz.

Rosenheim Radrundfahrt meine Startnummer

Etwa 15 Leute sind in meiner Gruppe und mit der Gruppe sollte ich wirklich Glück haben. Vom Tempo her geht es gleich zügig zur Sache, mein Tacho zeigt meist zwischen 33km/h und 40km/h an. Durch den gegenseitigen Windschatten ist das Halten des Tempos aber kein Problem. So kann es wirklich weitergehen. In Au bei Bad Aibling biegt die Tour in Richtung Norden ab. Sie führt über welliges Terrain mit leichten Anstiegen bis nach Rott am Inn. Die kleinen Hügel werden mit Kraft durchgetreten und langsam verkleinert sich auch die Gruppe.  Ich kann gut mithalten, meine Atemfrequenz erhöht sich kaum.

Mein Tacho zeigt 45 gefahrene Kilometer, als wir den Inn überqueren, der noch immer Hochwasser führt. Eine erste etwas längere Steigung führt uns aus dem Inntal heraus nach Griesstätt. Weiter bröckelt die Gruppe aber dafür kommen neue Leute hinzu. Es ist eine tolle Stimmung und auf den ebenen Stücken bleibt auch immer Zeit für einen kurzen Plausch. So macht Radfahren in  der Gruppe Spaß - kann echt süchtig machen, vor allem, wenn man fast immer alleine unterwegs ist.

Radrundfahrt meine Gruppe Ich bin der, auf den der Pfeil zeigt

Die Tour führt uns nun wieder in Richtung Süden, parallel zum Inn über wunderschöne kleine Straßen. An dieser Stelle möchte ich ein Kompliment an die Tourenplaner aussprechen. Die Straßenführung ist erstklassig, kaum Verkehr und die Bundesstraßen werden sehr gut gemieden. Nördlich von Rosenheim macht die Tour einen Schwenk Richtung Osten hin zum Simsee. An den Ufern des Sees angelangt wissen wir, nach 75 Kilometer Einrollzeit ist der gemütliche Teil der Tour vorbei, es geht in Richtung Berge. Und schon der erste Anstieg rauf nach Gattern hat es in sich. Stolze 200 Höhenmeter mit guter Steigung lassen unsere Gruppe in die Länge ziehen. Auch mein Puls schießt schlagartig in die Höhe aber die Motivation, vorne dabeizubleiben, ist groß. Also raus aus dem Sattel und ab in den Wiegeschritt.

Ah die Steigung ist vorbei und ich habe nicht den Fehler gemacht, mich voll zu verausgaben, denn ich weiß, gerade erst die Hälfte der Tour ist geschafft und es hat gereicht, mit den Schnellen mit zutreten. Unsere Gruppe besteht inzwischen nur mehr aus 8 Leuten und einer macht das Tempo. Ein echtes Tier - und ich bin ihm dankbar! So schnell bin ich die Berge noch nie raufgetreten und in der Ebene fliegen wir einfach tief dahin.

Nach knapp 90 Kilometer steht die zweite Verpflegungsstation am Plan. Die erste haben wir ausgelassen, wir haben nur den Stempel kassiert. Nach den Steigungen tut etwas Flüssigkeit und eine kleine Rast gut. Die Stimmung an der Raststation ist toll. Man könnte hier locker sitzen bleiben aber uns zieht es weiter in die Berge, dem höchsten Punkt unserer Tour entgegen. Entlang der Prien geht es stetig bergauf, wir nähern uns der österreichischen Grenze. Allerdings ist die Steigung sehr moderat, fast schon flach und ein leichter Rückenwind treibt uns dahin. Kurz hinter der Grenze haben wir den höchsten Punkt unserer Tour erreicht auf 756 Meter und werden mit einem atemberaubenden Ausblick ins Inntal belohnt. Die Sonne scheint für kurze Momente durch die tiefen Wolken und beleuchtet Teile des Tals. Der Anblick ist fast schon mystisch. Normalerweise würde ich stehen bleiben und meine Kamera zücken aber nicht heute, heute wird in der Gruppe geradelt. Ich weiß aber schon jetzt, da komm ich wieder her.

Nun steht uns eine feine Abfahrt ins Inntal bevor. Fast 80 km/h zeigt der Tacho auf den längeren geraden Strecken. Cool ... denke ich und genieße den Fahrtwind, so kanns weitergehen !! Das tut es natürlich nicht denn im Inntal angekommen, beschließt der Rückenwind wieder mal von vorne zu kommen. Aber in unserer Gruppe ist das kein Problem, wir radeln dahin, als ob es kein Morgen gäbe.

Ein zweites Mal treffen wir auf den Inn und eine leichte Konfusion macht sich breit. Ein Teil der Gruppe fährt geradeaus, ein Teil biegt rechts ab. Ich sehe aber, wie die Leute nach wenigen Metern bremsen und besprechen. Also denke ich, wird der Weg geradeaus schon der richtige sein. Ein Fehler, denn als ich mal kurz zu einem der Radkollegen aufschließe erfahre ich, daß es hier zum Marathon geht, rauf aufs Sudelfeld. Naja, hätte ich schon mitgemacht aber das hätte mein Zeitfenster gesprengt, also umdrehen und dem Navi folgen. Mist, denke ich, meine Gruppe ist nun auf und davon, ein Teil ist unterwegs auf das Sudelfeld und der andere Teil ist mir sicher schon ein paar Kilometer voraus.

Ah Glück gehabt, auf der Höhe von Erl gibt es eine Verpflegungsstation und wen treffe ich dort, meine Gruppe - genau gesagt die verbliebenen drei Leute. Ein kurzer Stopp, den Stempel abholen und schon gehts los. Die paar Kilometer alleine gegen den Wind spüre ich noch in den Waden. Erfreut vernehme ich die Worte... die Steigung noch und dann gehts nur mehr bergab. Kann ja nicht mehr so schlimm sein - denke ich.

Bei Nußdorf am Inn, immerhin mit knapp 130 Kilometer in den Waden, gehts ein letztes Mal in die Berge rein, entlang des Mühltals. Die Steigung zieht sich aber an ein Nachlassen ist nicht zu denken. Immer taucht in meinem Hirn die Bemerkung auf - es ist die letzte Steigung. Also nochmal alles rausgeholt und rauf auf den Berg. Unsere Gruppe ist inzwischen auf vier Leute zusammengeschrumpft und ich kann das Tempo halten aber mit voller Kraft. Alleine hätte ich den Berg wesentlich ruhiger angehen lassen aber die Motivation in der Gruppe lässt mich ungeahnte Reserven finden. Oben angekommen, warten wir erstmal auf den Rest, den wir hinter uns gelassen haben. Ich bin überrascht, wie schnell sich mein Atem wieder normalisiert, das Training macht sich wirklich bezahlt. Nach wenigen Minuten sind wir komplett und es geht wieder nach Frasdorf runter, zur Verpflegungsstation.

Verpflegungsstation Frasdorf

Die Station hat sich mittlerweile gut gefüllt, denn hier treffen sich einige Touren. Die Leute waren ganz überrascht, wie schnell wir wieder aus Tirol zurückgekommen sind. Unsere Antwort .. naja, wir sind halt tief geflogen, was durchaus auch seine Richtigkeit hat. Die Stimmung ist wieder mal TOP und die netten Leute vor Ort schuften im Accord um uns hungrige Radfahrer satt zu bekommen. An dieser Stelle auch ein Kompliment an die Leute vor Ort. Ich merke es, da ist man mit Leib und Seele dabei. Ich fühle mich einfach willkommen.

Frisch gestärkt, schwingen wir uns aufs Rad. Eben geht es dahin zurück zu unserem Startpunkt südlich von Rosenheim. Auf kleinen Straßen fliegen wir mit fast 40km/h und oft auch mit mehr dahin. Woher nehme ich nur die Kraft, denke ich mir. Es ist einfach pures Glücksgefühl, noch so viel Energie zu haben trotz der vielen Höhenmeter und der Länge. Wir ziehen an anderen Rennradlern vorbei und nähern uns dem Ziel. Die letzten hundert Meter und nochmal raus aus dem Sattel und Kette rechts - Da geht noch was !

Angekommen - wir sind im Ziel - Ich spüre keine Müdigkeit, könnte gut weiterradeln aber erstmals gibt es ein Erdinger-Alkoholfrei und wir stoßen auf eine geniale Tour an. Gerne würde ich mich mit den Leuten noch hinsetzen und alles nochmals Revue passieren lassen aber daheim warten schon Leute auf mich. Also nochmal eine herzliches "Servus" und ab ins Auto, auf die Autobahn, wo mich promt stehender Verkehr empfängt. ... Smile, mit dem Rad wäre ich schneller daheim gewesen, denke ich.

Eines weiß ich gewiss - kommendes Jahr werde ich sicher wieder dabei sein, bei der Rosenheimer Radrundfahrt und dann werde ich die Marathon Strecke machen. Ein Gedanke treibt mich noch rum - Wo findet die nächste Radrundfahrt statt, so etwas kann süchtig machen!


Wolfi


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