Wendelstein Rundfahrt vom 20.08.2016 Tour III über 165km
... eine anspruchsvolle Tour mit vielen Höhenmetern

Wendelstein Rundfahrt Comoot Strecke

Tour Länge: 165km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 28,5 km/h
Höhenmeter: 2420 hm
Details zur Tour auf Komoot.de

Einer der Höhepunkte meines Rennrad - Jahres ist die Wendelstein Rundfahrt. Dieser Veranstaltung eilt ein sehr guter Ruf voraus. Die Verpflegungsstationen sollen legendär sein und die Streckenführung soll keine Wünsche mehr offen lassen. Gut, viele dieser Strecken kenne ich schon von meinen Touren. Meine Erwartungshaltung ist also hoch.

Wie schon bei den anderen Veranstaltungen ist dieser eine recht unruhige Nacht vorausgegangen. Die Aufregung und die Vorfreude hat mich kaum schlafen lassen. Um 5 Uhr heißt es für mich - raus aus den Federn und rein in die Radklamotten. Die Reifen frisch aufgepumpt und eine Flasche auch mit meiner Geheimwaffe (1/3 Traubensaft aus dem Burgenland und 2/3 Wasser) gefüllt und dann ab ins Auto damit.

Als ich um 6,30 Uhr am Startplatz ankomme, herrscht dort schon geschäftiges Treiben. Die Sonne erhebt sich über dem Horizont, es verspricht, ein schöner Tag zu werden.

Wendelsteinrundfahrt kurz vor dem Start

Noch schnell ein Portrait von meinem Simplon Rennrad vor der Streckenführung und dann gehts zur Nummernvergabe.

Wendelstein Rundfahrt - die Tour

Die Startfreigabe erfolgt sehr pünktlich und in überschaubaren Gruppen werden wir auf die Strecke entlassen. Endlich - es geht los, die Vorfreude auf 165 Kilometer Rad-Fun mit hunderten Gleichgesinnten lässt meine Füße fast von selber sprudeln.

Die ersten gut 20 Kilometer sind auch nur zum Warmradeln gedacht, es geht relativ eben dahin, im Blick aber immer die Berge, die uns erwarten, allen voran der Wendelstein. Bei Nußdorf, nach gut 20 Kilometer wird es ernst. Es geht rein ins Mühltal, die erste Bergwertung mit immerhin 330 Höhenmeter wartet auf uns. Schnell bilden sich einzelne Gruppen und wohl dem, der nicht im Überschwang seine Körner verpulvert. Entsprechend vorsichtig gehe auch ich die Steigung an, lieber mit einer leichteren Übersetzung als zu schnell pumpen und Energie verschwenden. Trotzdem gehts zügig bergan. Gegen Ende der Steigung der erste Fototermin. Ein besonderer Service - es werden recht professionelle Fotos von "Marathon Foto" gemacht, die man dann auch käuflich erwerben kann.

Wendelstein Rundfahrt Fun Raus aus dem Sattel und mal richtig Gas gegeben!

Wendelstein Rundfahrt Am Ende der Steigung angekommen - im Hintergrund , der Wendelstein


Die Belohnung für den Anstieg folgt auf dem Fuße - eine feine Abfahrt runter nach Frasdorf. Danach, bei Kilometerstand 40 gehts richtig rein in die Berge, entlang der Prien, nach Österreich. Die Steigung ist zwar moderat aber wir haben Gegenwind. Das stellt für uns aber kein Problem dar, da wir im Pulk fahren und uns mit der Spitzenposition abwechseln. So schaffen wir einen guten Schnitt ohne uns zu verausgaben. Auch hier folgt die Belohnung mit einer rasanten Abfahrt runter ins Inntal. Der Tacho springt oft mal auf über 70 km/h und es würde noch mehr gehen aber dafür ist mein Kopfkino zu aktiv, frei nach dem Motto, wer bei der Abfahrt denkt, hat schon verloren. Aber ich denke lieber und lasse dafür meine Knochen an dem Platz wo sie sind.

Im Inntal angekommen, wissen wir, jetzt wird es wirklich ernst, der stärkste Anstieg steht uns bevor. Es ist die rechte Zeit, die genialen Labestationen auszuprobieren und die körpereigenen Akkus zu laden.

Geniale Labestationen


Die Labestationen halten, was die Veranstalter vesprechen. Wenn man all diese guten Schmankerln ausprobiert, kommt man am Ziel garantiert mit mehr Kilos an, als man am Start in den Sattel gewuchtet hat. Tolle Stimmung und wirklich nette Leute, ein Riesen Kompliment an den Veranstalter.

Nun wird es ernst. Die Höhenmeter, die ich bei der letzten Abfahrt lustvoll vernichtet habe, kommen nun wieder rauf und noch einige dazu. Es geht rauf aufs Sudelfeld mit teilweise anspruchsvollen Rampen. Über 700 Höhenmeter sind im Stück zu bewältigen, die Gesichter der Radkollegen werden ernst und teilweise auch angespannt, groß ist der Respekt vor dem, was nun kommt.

Vor allem der erste Teil geht richtig in die Waden, 13% Steigung fordern uns alle und treiben mich aus dem Sattel - ab in den Wiegetritt. Nach wenigen hundert Metern ist es vorbei, das Schlimmste ist überstanden - nun wird gleichmäßig hochgepumpt. Mal im Wiegetritt, mal im Sattel mit höherer Umdrehungszahl. Natürlich gibt es auch hier wieder den obligatorischen Fototermin.

Die Auffahrt aufs Sudelfeld Hauptsache bergauf - ach ist das schön !!!


Der Sudelfeldpass selbst ist nicht besonders attraktiv aber der Ausblick in die Berge dafür umso mehr. Noch mehr freue ich mich aber auf die feine Abfahrt nach Bayrischzell. Ich bin nicht einmal besonders müde, zu meiner Überraschung. Noch vor wenigen Monaten hätte mich so eine Tour an meine absoluten Grenzen getrieben. Und bereits mehr als die Hälfte der Rundfahrt liegt hinter mir. Dieses Hochgefühl und auch ein leichter Rückenwind treiben mich zu einer Höchstleistung an. Von Bayrischzell bis nach Stauden mache ich die Lokomotive und ziehe eine Gruppe mit über 40 km/h hinter mir her. Wir fegen teilweise im Höllenritt an anderen Teilnehmern vorbei und nur selten schafft es jemand, zu uns aufzuschließen und sich in unserem Windschatten bequem zu machen.

Ja und dann - die obligatorische Labestation, ich merke, ich habe richtig Hunger, die Kasspatzen müssen dran glauben - hmmm - selten so gute Spatzen gegessen ! Ich bin aber kein Pausenmensch, die Gruppe, die ich angeführt habe, macht es sich bequem und mich , ja mich treibt es wieder aufs Rad. Alleine setze ich die Runde fort. Irgendwann, denke ich, werde ich sicher wieder auf eine paar Leute treffen.

Hügelauf und hügelab geht es zum westlichsten Punkt unserer Runde, nach Reitham. Dort trennt sich die Tour und die unermüdlichen können noch den Marathon mitmachen. Doch ein Blick in die Berge zeigt mir, daß sich dort schon das vorhergesagte Schlechtwetter zusammenbraut. Eine schönere Ausrede kann ich mir nicht vorstellen, vor allem, weil ich doch langsam merke, daß die Steigungen nicht ohne Spuren bei mir geblieben sind. Auch kleinere Hügel kommen mir immer steiler vor und auch die Temperatur steigt weiter an. Auch eine Gruppe will sich nicht mehr einfinden, denn vor mir sind kaum mehr Radler weder vom Marathon, noch von der 165km Tour. Einen einsamen Kämpfer kann ich noch treffen, der ursprünglich die Marathon Tour machen wollte. Mit dem bestreite ich die letzten Kilometer ins Ziel. Noch einmal jagen uns die Veranstalter über ein paar Höhenmeter, den Irschenberg. Sonderbar, ich hatte den flacher in Erinnerung.

Ah, der letzte Fototermin kündigt sich an, noch schnell ein "professionelles" Gesicht aufgesetzt und ... klick!

Noch ein letzter Fototermin

Geschafft, die letzten Höhenmeter sind überwunden und lansam nähern wir uns wieder unserem Startpunkt in Au Bei Bad Aibling. Noch ein paar Kurven im Ort. Nun sind auch wieder mehr Teilnehmer auf der Strecke, denn auch die kürzeren Strecken haben nun wieder den gleichen Verlauf. Viel zu schnell ist die Tour wieder zu Ende. Mit einem Schnitt von 28,5 km/h kann ich, angesichts der vielen Steigungen und Rampen wirklich zufrieden sein.

Eines ist sicher - auch kommendes Jahr bin ich wieder dabei und dann melde ich mich für den Marathon an.


Wolfi


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Tour Länge