Sonnenfinsternis 2006
- dunkle Sonne über der Türkei -

Die Sonnenfinsternis "März 2006" war in der Türkei total zu sehen. Was lag näher, als dieses astronomische Ereignis mit einem entspannenden Kurzurlaub an der türkischen Riviera zu verbinden. Was gibt es schöneres, als Astronomie unter Freunden, kombiniert mit etwas Wellness, Strand, Sonne ........ und sogar etwas Sightseeing.

Diesen Gedanken hatten sicherlich viele 1000 Sternfreunde und so hat sich Side auch entsprechend auf dieses Mega Event eingerichtet.

Das ist unsere Gruppe vor dem Apollo Tempel in Side. Ich habe mir den sichersten Platz ausgesucht .... den hinter dem Fotoapparat.

Am Mittwoch war es soweit, es ging los .... schon mehrere Stunden vor dem ersten Kontakt war das Fernrohr aufgebaut. Es ist der Unterteil einer GP Montierung, kombiniert mit dem Oberteil einer Orion Sky View Pro Montierung - die GP Montierung habe ich oft als kleine und kompakte Reisemontierung verwendet ... so auch dieses Mal.

Als Aufnahmeinstrument kam mein neuer SCOPOS TL 805 zum Einsatz. Ein Triplet APO mit 80mm Öffnung und 560mm Brennweite. Die Farbkorrektur ist wirklich gut, so daß ich hoffen konnte, auch feinere Abstufungen in der Corona abbilden zu können. ............ Direktlink zum TL 805 von Scopos

Als Kamera verwendete ich meine Canon 20DA - mein astrofotografisches Arbeitspferd.

Der Finsternisverlauf zwischen 1. und 2. Kontakt. Es hat sich zunehmend mehr und mehr Spannung aufgebaut. Schön war, daß sich doch noch ein paar kleine Sonnenflecken zeigten. Die Tage zuvor war die Sonne wie blank geputzt.

Klein und zart waren sie, die Flecken aber trotzdem war es schön, wie sich der Mond langsam vor die Flecken geschoben hat. Unter den Flecken ,zum unteren Rand hin, sind deutlich Unregelmäßigkeiten am Mondrand zu erkennen. Das sind Mondberge, die wir genau von der Seite her ansehen.

Immer wieder spannend ist die Veränderung der Umwelt während des fortgeschrittenen Verlaufes der partiellen Phase. Wenn das Sonnenlicht z.B. durch kleine Öffnungen fällt, wie bei einer Lochblende, wird die Sichelgestalt der Sonne auf den Boden geworfen. Interessant sind auch die Schatten selbst.

Während in der einen Ebene der Schattenwurf unnatürlich scharf erscheint (auf dem Bild der fast eben verlaufende Schatten) wird der senkrecht verlaufende Schattenwurf sehr unscharf.

Kurz vor Beginn der Totalität ändert sich die Stimmung sehr rasch. Die Lichtverhältnisse werden unnatürlich. Oft wird die Stimmung mit der, kurz vor einem Hagelschauer, verglichen. Die Spannung und die Erwartung wächst und dann geht es Schlag auf Schlag.

Das letzte Sonnenlicht vor der Totalität - Die Mondberge, die wir während des partiellen Verlaufes gesehen haben, verwehren uns bereits den Blick auf die Sonne. Das sieht man am unteren Ende der schmalen Sichel.

Und dann ist sie da - hell leuchtet die Corona der Sonne vor der abgedunkelten Scheibe. Deutlich sind die Magnetlinien zu sehen, die die Form der Corona recht schnell verändern. Das Bild gibt auch recht gut den visuellen Eindruck wieder. Der Himmel war nicht pechschwarz, er war eher dunkelblau und am Horizont war die Grenze der Totalitäts Zone zu sehen, wie der rötliche Streifen einer Dämmerung.

Die Corona ging weit hinaus, auf diesem Foto erreichte die Corona mehr, als den dreifachen Durchmesser der Sonnenscheibe selbst.

In der ersten Phase der Totalität war am oberen Rand der Sonne eine einzelne Fackel zu beobachten. Auffällig war, wie dieser Energieausbruch die Form der Corona veränderte. Fast wie Schockwellen wirken die bogenförmigen Abdunkelungen, rund um diese eine Fackel.

Das Ende der Totalität war nahe. Durch ein tiefes Mondtal konnte man schon die ersten gleißenden Strahlen der Sonne sehen. Auch auf dieser Seite der Sonne waren einige flache Protuberanzen zu sehen, die der Mond erst kurz vor dem Ende der totalen Phase freigab.

Dann ist es soweit, ein gleißendes Aufblitzen verhieß das Ende dieses Schauspiels. Nur noch wenige Sekunden war die verblassende Corona zu sehen und dann war es vorbei. Ein Gefühl der Freude und der Erleichterung machte sich breit. Man hatte das Gefühl, einen tieferen Blick in den Kosmos geworfen zu haben, als sonst.

Die Augen, die überraschend gut an die Dunkelheit adaptiert waren, wurden durch die Helligkeit geradezu geblendet. Auch die Temperatur, die deutlich gesunken war, ging sehr rasch wieder nach oben.

Es war vorbei aber die Erinnerung wird noch lange vorhalten und, wer mag es verdenken, wenige Minuten nach dem Ende der totalen Sonnenfinsternis 2006 wurden schon Pläne geschmiedet, zur nächsten Pilgerfahrt, wenn der Mond die Sonne verdunkelt.

Am gleichen Abend stand ich draußen am Meer, mein Kopf war noch voll der Eindrücke dieses Tages, als sich die Sonne langsam dem Horizont näherte. Irgendwie kamen mir die Farben intensiver vor und auch die Abendstimmung konnte ich richtig fühlen.

Vielleicht öffnen solche Ereignisse, wie eine totale Sonnenfinsternis, ein inneres Tor zur Schönheit der Natur. Vielleicht fühlt man, wie zerbrechlich alles ist, wenn mitten am Tag alles in Dunkelheit versinkt. Gerade jetzt, beim Schreiben dieses Artikels und beim nochmaligen Betrachten der Bilder erinnere ich mich nicht nur an das Ereignis, ich kann es noch fühlen - tief in mir.

Wolfi Ransburg


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